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Mit Textil-Großhandel für wenig Geld auf den Kilimandscharo

Zwiebellook extrem

Einer unserer Mitarbeiter hat den höchsten Berg Afrikas bestiegen und dabei unser Outdoor-Sortiment dem ultimativem Härtetest unterzogen. Seinen Erfahrungs- und Reisebericht, viele Infos zu allen auf dem Trip verwendeten Outdoorartikeln und einige Extras, wie die komplette Packliste für die Tour, finden Sie auf diesen Seiten.

Wenn jemand eine Reise tut...

...dann kann er was erzählen. Erst recht, wenn er vom "härtesten Spaziergang der Welt" zurückkommt. Denn der technisch leichte Aufstieg zum Dach Afrikas bietet nicht nur eine intensive Naturerlebnisse, er macht aufgrund seiner für Flachlandtiroler extremen Höhe eine intensive Vorbereitung nötig. Sowohl was Kondition und allgemeine Fitness, als auch das Zusammenstellen der notwendigen Ausrüstungsgegenstände angeht.

Mit diesem Erfahrungsbericht möchten wir Ihnen zuerst mögliche Alternativen zur teuren Funktionskleidung der Markenhersteller und deren richtige Auswahl vorstellen, um Sie später mit auf die Reise zum Kibo zu nehmen und die Textilien auf Herz und Nieren prüfen.

Die Artikel und ihre Auswahl

Die Vorbereitung – Auswahl der richtigen Textilien

Die Liste, die uns einige Monate vor dem Abflug per E-Mail erreichte, war lang. Die Aneinanderreihung dessen, was der Veranstalter uns als Ausrüstung für die Wanderung am Kilimandscharo empfahl gereichte, mit ihren weit über 30 Positionen an Textilien und Accessoires, dem Inventar eines gut sortierten Outdoor-Ausrüsters zur Ehre. Von der wärmenden Mütze, über die drei Lagen des Zwiebellooks, bis hin zu den obligatorischen Wanderstiefeln fehlte kaum etwas aus der bunten Welt der Funktionsbekleidung.

Ein Blick in Kleiderschrank und Keller bestätigte meine Vermutung: Nur ein Bruchteil befand sich in meinem aktuellen Fundus. Der Kahle Asten ist dann eben doch nicht der höchste Berg Afrikas. Ergo – das Portemonnaie sollte wohl bluten. Die schlimmsten Befürchtungen erwiesen sich nach wenigen Klicks durch einschlägige Online-Shops und dem Besuch eines Kölner Outdoortempels als absolut berechtigt und ließen mich konsterniert zurück. Selbst wenn ich mir einen Schlafsack und das ein oder ander Teil leihen würde, kämen um die 1.000 Euro an zusätzlichen Ausgaben auf mich zu. Hätte ich doch bloß vorher recherchiert. Ich wäre trotzdem gefahren.

Denn eine Lösung findet sich immer...

Wissenswertes zum höchsten Berg Afrikas

Der Mount Kilimandscharo

  • Erstbesteigung am 6. Oktober 1889 durch den Deutschen Hans Meyer
  • höchster freistehender Berg der Welt (5.895 m)
  • Kilimandscharo bezeichnet das gesamte Massiv aus 3 Bergen (Shira, Mawenzi und Kibo)
  • 5 Vegatations- und Klimazonen
  • Flächenverlust der Gletscher seit 1912: > 85 %
  • 9 Routen auf den Gipfel
  • der Uhuru Peak, der höchste Punkt des Kibo, hieß bis 1964 Kaiser-Wilhelm-Spitze
  • seit 1987 Weltnaturerbe
  • 45.000 Personen pro Jahr probieren ihn zu besteigen. Die Erfolgsquote liegt nach unterschiedlichen Angaben meist zwischen 30 und 80 %.

Man müsste das Empire State Building mehr als 13-mal übereinander stapeln, um die ungefähre Höhe des Mount Kilimanscharo zu erreichen!

Und wo wir gerade in den USA sind: Der älteste Mensch, der den Berg bisher (November 2019) bestiegen hat, war die 89 Jahre alte Anne Lorimor aus Arizona.

Pole, pole. Im Gänsemarsch an den Fuß des Kraters.

Hochwertige Outdoor- und Funktionsbekleidung zum kleinen Preis

Nachdem ich eine zeitlang den Gedanken an die Ausrüstung beseite geschoben hatte, schoss sie mir durch den Kopf: Eine mögiche Lösung, die nichts mit einem Bankkredit zu tun hätte.

„Könnte das funktionieren? Mit den Klamotten aus unserem Shop auf den Kili?!“

Einmal genauer hinschauen schadet ja nicht... So konkretisierte sich der zuerst noch vage Gedanke und rettete schließlich einen großen Teil meines Reisebudgets. Denn neben unseren Standard Basics wie T-Shirt, Polo, Hoodie & Co. haben wir einiges an Funktionstextilien und Accessoires auf Lager. Eine Produktkategorie, die bei uns immer ein wenig unter dem Radar läuft. Wohl auch, weil wir den Produkten aufgrund des auffällig niedrigen Preises insgeheim ihre Funktionalität absprechen. In fast jedem Fall zu unrecht, wie sich bald herausstellen sollte.

Ein zügiger Abgleich unseres Online-Shops mit der Packliste ergab: So gut wie alles, was drauf stand, ist in unserem Sortiment zu finden und hält einer – vorerst theoretischen – Überprüfung hinsichtlich der Leistungsmerkmale stand.

Sei es eine Mütze mit intergriertem LED-Licht, eine leichte Sturmhaube, eine 3-in-1-Funktionsjacke bis Minus 20 Grad, lange und kurze Funktionsshirts, Handschuhe und Schals, Regen- und Softshellhose, Schlauchschals wie den Morf, Socken oder kleine Helfer wie Microfaser-Handtücher. Obwohl ich bei uns für die Pflege der Produkte zuständig bin, erstaunte mich die Auswahl. Aber man kann ja nicht alle 6.500 Produkte kennen ;)

Selbst Schuhe wären auf Lager gewesen. Aber – da bin ich ehrlich – hier habe ich meinen bewährten Stiefeln mehr vertraut, als den Workwear-Boots aus unserem Online-Shop. Und das Gleiche empfehle ich jedem anderen Gipfelstürmer. Man kann bei der Ausrüstung überall sparen – wie ich mit diesem Artikel zeigen werde. Doch bei den Schuhen sollte jeder die für sich passenden hochwertigen Treter mit Bedacht (und mit Beratung!) auswählen und eintragen. Es lohnt sich jeden Tag!

Gut, dass wir verglichen haben – Textil-Großhandel vs. Outdoor-Fachhandel

Von allen Produkten, die ich aus unserem Angebot ausgewählt habe, habe ich auf der Tour nur auf die Handschuhe verzichtet, da sie mir von den Wärmeeigenschaften her ungenügend erschienen. Alternativ habe ich mir bergerprobte Skihandschuhe für die Gipfeletappe ausgeliehen. Für die restlichen kühleren Stunden morgens und abends reichten die leichteren Funktionshandschuhe aus dem Online-Shop dagegen vollkommen aus.

Treuer Begleiter: der Tagesrucksack QX530 von Quadra.

Produkte im Fokus: Tagesrucksack und Systemjacke

Es muss nicht immer Marke sein

Insgesamt habe ich 23 Produkte aus unserem Sortiment in einfacher und mehrfacher Ausführung auf der Reise genutzt. Vier Artikel haben mich besonders überzeugt. Die ersten beiden möchte ich an dieser Stelle vorstellen.

SLX 30 Litre Backpack

Der 30 Liter fassende Rucksack eignet sich optimal als Daypack bei Touren, die häufigeres Wechseln der Kleidung verlangen. Das bestickbare Stück bietet alles, was ein guter Rucksack braucht: intergierte Regenschutzhülle, gepolsterte, verstellbare Schulter-, Hüft- und Brustgurte, ein ergonomisch geformtes, atmungsaktives Rückenteil mit Netzeinsatz, ein innenliegendes Fach für einen Wasserbehälter, Halterung für Trinkschlauch, Ösen für Wanderstöcke u.v.m.

SLX 30 Litre Backpack

nur 7,58€

Ranger 3-in-1 System Jacket

Die Ranger-Systemjacke bietet Höchstleistung auch bei extremen Klimabedingungen. Bei Temperaturen bis -20°C vereint sie konträre Eigenschaften wie Wasserdichtigkeit (2.000 mm) und Atmungsaktivität (1.000 g/m²) gekonnt miteinander. Durch das herausnehmbare Polar-Fleece erhalten Sie sowohl eine leistungsstarke Fleecejacke (278 g/m²-Fleece) als auch eine leichte Softshelljacke (165 g/m²). Abnehmbare Kapuze, Multimediatasche, einstellbare Ärmelenden und versiegelte Nähte runden das Leistungsspektrum der bestickbaren Jacke ab.

Ranger 3-in-1 System Jacket

nur 162,98 €

Alles für eine erfolgreiche Besteigung Benötigte im Überblick

Packliste "Kilimandscharo"

Die folgende Liste entspricht der Packliste, die ich von unserem Tourveranstalter vorgelegt bekommen habe. Bei den gelb hinterlegten Produkten habe ich mich aus Funktionalitätsgründen für andere (gekaufte, geliehene oder besessene) Varianten entschieden. Die rot hinterlegten sind nicht in unserem Sortiment erhältlich.

AUSRÜSTUNGSGEGENSTAND PRODUKT PRODUKTNUMMER MARKE STANDARDPREIS/STK. EMPFEHLUNG
Tagesrucksack (20 bis 30 l) SLX 30 Litre Backpack QX530 Quadra 42,54 € Ja
Duffle Bag Pro Cargo Bag QD525 Quadra 30,86 € Ja
3 Paar warme Socken Workwear Socks (3 Pair Pack) RG003 Regatta Hardwear 6,72 € Ja
3 Paar leichte Socken Cool Socks RG003 Just Cool 10,47 € Ja
1 warme Mütze Mighty LED Knit Beanie EL38661 Elevate 7,84 € Ja
1 Sturmhaube Microfibre Balaclava CB225 Beechfield 2,04 € Ja
1 Sonnenschutzhut Nomad Hat AT349 Atlantis 6,15 € Ja
1 leichter Schal Morf™ Original CB900 Beechfield 1,76 € Ja
1 Fleeceschal Hotty - Warm Neckwarmer AT711 Atlantis 2,33 € Ja
1 leichte Funktionshandschuhe Softshell Sports Tech Gloves CB310 Beechfield 7,76 € Ja
1 warme Funktionsjacke Men`s Ranger 3-in-1 System Jacket ST76 Stormtech 162,98 € Ja
1 Fleecejacke Active Fleece TJ9160 Tee Jays 20,73 € Ja
2 lange Thermo-Unterhosen Thermal Long Johns RG113 Regatta Hardwear 8,49 € Ja
2 lange Thermo-Unterhemden Thermal Longsleeve Vest RG112 Regatta Hardwear 8,49 € Ja
1 warme, winddichte Hose Tech Performance Soft Shell Trouser RT132X Result WORK-GUARD 38,49 € Ja
1 Woll- oder Flanellhemd Woven Plaid Flannel Shirt BU8210 Burnside 17,10 € Ja
1 Woll- oder Flanellhemd Woven Plaid Flannel Shirt BU8210 Burnside 17,10 € Ja
1 Fleecepullover Active Fleece Half Zip S5020 Stedman 10,56 € Ja
4 Funktionsshirts Active Intense Tech S8020 Stedman 6,50 € Ja
1 Regenhose Pro Stormbreak Trousers RG308N Regatta 6,50 € Ja
1 Regenponcho Aerolite Packable Rain Poncho ST69 Stormtech 19,12 € Ja
1 Stirnlampe in Mighty LED Knit Beanie integriert - - -,-- € Ja
1 Mikrofaser-Handtuch Quick-Dry Bath/Sauna Towel BD961 Bear Dream 8,93 € Ja
1 Mikrofaser-Waschlappen Microfibre Towel Atoll 30 L904 Sol's 1,37 € Ja
1 Wasserbehälter für Rucksack Drinking System HF2216 Halfar 9,86 € bedingt
1 Paar Skihandschuhe Tech Performance Sport Gloves RT134X Result Winter Essentials 12,31 € bedingt
1 Paar leichte Hosen Men`s Cool Track Pant JC081 Just Cool 13,17 € bedingt
1 Paar Shorts Jackson Bermuda L01660 Sol’s 19,79 € bedingt
1 Paar Sportschuhe Playoff S1P Safety Sneaker RGH107 Regatta Hardwear 51,56 € bedingt
1 Paar Wanderschuhe First Strike SBP Hiker RG0132 Regatta Tactical 89,58 € bedingt
1 Wasserbehälter, Metall (~3 l) - - - - nicht erhältlich
1 Schlafsack (bis -15°C) - - - - nicht erhältlich
1 Campingkissen - - - - nicht erhältlich
1 Paar Wanderstöcke - - - - nicht erhältlich
1 Sonnenbrille (Kategorie 4) - - - - nicht erhältlich
1 Taschenlampe - - - - nicht erhältlich

Produkte im Fokus: Fleecejacke und Mütze

Mehr als nur ein kleiner Preis

Neben dem praktischen Rucksack von Quadra und der Systemjacke von Stormtech fielen mir zwei weitere für eine Bergwanderung weitere essenzielle Produkte als besonders leistungsstark auf, wobei die Mütze durch einen pfiffigen Zusatznutzen besonders zu punkten wusste.

Active Fleece

Die leicht körperbetont geschnittene Fleecejacke eignet sich für Touren in gemäßigt kühlem Klima oder als zweite Schicht im Lagenlook. Das leistungsstarke Anti-Pill-Microfleece mit lasergeschnittener Sturmklappe und zwei großen Vordertaschen ist angenehm zu tragen und sorgt für angenehme Wärme bei sehr gutem Feuchtigkeitstransport.

Active Fleece

nur 20,73€

Mighty LED Knit Beanie

Der wärmender Beanie verschafft auf nächtlichen Wanderungen zuverlässig den nötigen Durchblick. Die abnehmbare LED-Stirnlampe mit ihren drei Helligkeitsstufen ist gleichermaßen platzsparend wie leistungsstark und lässt sich via USB aufladen. Die Mütze selbst ist klassisch geschnitten und optimal mit Stick veredelbar.

Mighty LED Knit Beanie

nur 7,84 €

Der Reisebericht

In Aktion – Mensch und Textil am Berg

Sieben Tage Rongai-Route – von den Tropen in die Arktis und zurück

Nachdem nun alles beisammen und die Visa Permissions vorlagen, ging es für mich und meine drei Mitstreiter via Istanbul und Daressalam zum Kilimanjaro International Airport und anschließend zum Startpunkt der vergleichsweise wenig frequentierten Rongai-Route. Diese führte uns in ihrem ersten Teil von der kenianischen Grenze in gut 2.000 Metern Höhe Tage stetig – immer „pole, pole“ (langsam, langsam) – in Richtung des 5.148 Meter hohen Mawenzi, dem dritthöchsten Berg Afrikas.

Die Vegetation veränderte sich dabei ebenso kontinuierlich wie das Klima. Ging es bei milden 23 Grad plus inmitten dichter Lianenwälder los, wurden die Bäume nun kleiner und kleiner, bis sie gänzlich Sträuchern und Gräsern wichen, die in den frühen Morgenstunden mit einer leichten Reifschicht überzogen waren. Je spärlicher die Pflanzenwelt, desto reichlicher wurde umgekehrt proportional unsere Kleidung. Immer häufiger mussten dünne Handschuhe übergestreift, das Halstuch zum Beanie umfunktioniert und gegen den dickeren Fleeceschal ausgetauscht werden. Wenn jedoch die Sonne am Mittag fast im Zenit stand, ging es gefühlt fast sommerlich zu. Schicht um Schicht verschwanden, bis auf die dünne Fleecejacke, im Tagesrucksack und der Sommerbeanie wich der Legionärskappe mit Nackenschutz. Man glaubt nicht, welche Kraft unser Zentralgestirn in diesen Breiten und Höhen hat.

Morgentoilette über den Wolken.

Stickerei für die Softshelljacke

Textil-Großhandel auf der Brust

Meinen Chefs und den Produkten von Textil-Großhandel hatte ich es zu verdanken, dass ich weit weniger Geld für die Besteigung des Kilimandscharo ausgeben musste, als befürchtet. Das sollte jetzt auch nach Außen dokumentiert werden. Am besten mit einem eigens für die Tour entworfenen Expeditions-Signet. Also hieß es ran ans Werk und Umsetzen. Am Ende stand eine Wort-Bildmarke mit der Begrifflichkeit "Kilimanjaro Summit Attempt 2019". Über "Attempt", also Versuch, wagte ich mich, abergläubisch wie ich bin, nicht hinaus...

Erstellt und angebracht wurde der Patch in unserer hauseigenen Stickerei. Dieser wurde auf der Softshelljacke fest appliziert und so quasi eins mit dem Textil.

Ganz schön Stick – Stormtech-Systemjacke ST76 mit Patch am Gilman’s Point.

Briefing oberhalb der Mawenzi Tarn Hut.

Weiter immer weiter – Naturschauspiel zwischen Mawenzi und Basislager

In den folgenden Tagen passieren wir dunkle Höhlen, sanfte Täler, mal seichte mal steile Anstiege, bis wir die Mawenzi Tarn Hut erreichen. Das Camp auf etwa 4.300 Metern liegt einsam in einem Kessel zu Füßen des gleichnamigen Berges und bietet Stunde um Stunde völlig unterschiedliche, immer neue faszinierende Naturerlebnisse. Sei es die daunengleiche Wolkendecke hunderte Meter unter uns, die im Abendrot glühenden Zinnen des hinter uns aufragenden Berges oder der kleine Kratersee, der von den durch das Camp ziehenden Wolken geheimnisvoll umnebelt wird. Nicht zuletzt zieht uns auch die schwarze Nacht in ihren Bann. Die zum Greifen nah erscheinende Milchstraße lässt uns minutenlang erfurchtsvoll zum Firmament starren. Nur unser Ziel, den Kibo, sehen wir aus unserem Kessel nicht. Er versteckt sich hinter den Kämmen des Mawenzi und wartet bis zum nächsten Tag, um sich uns wieder zu zeigen.

Und das macht er, nach einer eisigen Nacht in Thermounterwäsche, Fleecejacke und dicken Socken, in aller Ausführlichkeit. Es geht stundenlang durch die alpine Wüste über den sogenannten „Sattel“ zwischen Mawenzi und Kibo. Das Tagesziel die Kibo Hut am Fuße des blau umrahmten, vom (leider nicht) ewigen Eis weiß gesprenkelten Kraters immer ganz nah und doch noch so fern vor Augen. Pole, pole... In der praktisch vegetationslosen Mondlandschaft voll riesiger Lavabrocken schwanken die Temperaturen extrem. In einem Moment möchte man sich alles inklusive dicker Winterjacke und langer Unterwäsche überstreifen, im nächsten wieder vom Leib reißen. Je nachdem, wie stark der Wind bläst und ob gerade Wolken über die Ebene jagen und die Sonne verdecken. Es lohnt sich also, lieber ein Oberteil zu viel im Daypack dabei zu haben, als eins zu wenig. Denn erkältet möchte niemand zum bald folgenden anstrengendsten Teil der Tour aufbrechen.

An der Kibo Hut angekommen, spürt man die Nervosität der auf den finalen Aufstieg wartenden Wanderer. Hier vereinen sich mehrere Trails zum Gipfel und an jeder Miene versucht man abzulesen, ob die Person es wohl geschafft hat, schon oben war. Am Uhuru Peak – unser aller Ziel. Oder ob im letzten Moment die D’Acosta-Krankheit mit Kopfschmerz, Übelkeit und Schwindel zum Abbruch gezwungen hat. Ich scanne mich selbst minütlich nach Symptomen. Aber da ist nichts. Und viel Zeit zum Nachdenken bleibt ohnehin nicht. Denn die folgende Nacht endet bereits kurz nach Null Uhr mit dem Wecken durch die Guides, soll Gilman's Point am Rande des Kraters doch nach Möglichkeit zur Dämmerung erreicht werden...

Das obligatorische Beweisfoto: kurzes Gipfelglück am Uhuru Peak.

Alle Klamotten an – im Schleichschritt auf Afrikas Dach

Nach einem schnellen Frühstück geht es im Entenmarsch den Guides hinterher. Serpentine für Serpentine. Vorbei an der Hans Meyer Cave und die – warum auch immer – so genannten Jamaica Rocks bis zum Gilman’s Point. Dort angekommen tauchte die aufgehende Sonne den Mawenzi in unserem Rücken und die vor uns liegenden Eisfelder in tausend Rot- und Orangetöne – ein unbeschreiblicher Anblick. Der in der ersten Euphorie aufkeimende Gedanke, die restlichen 200 Höhenmeter zum Gipfel würden zu einem sonnigen Winterspaziergang erweist sich als Irrglaube. Der vermeintliche Spaziergang wurde zur härtesten Stunde der gesamten Tour. Dem emotionalen High am Gilman’s Point folgte ein Down. Wäre der Berg nur 50 Meter höher, der Weg nur 200 Meter länger gewesen – Arrividerci Gipfelurkunde. So quälten wir uns mit rasenden Herzen auf unsere Stöcke gestützt Schritt für Schritt voran. Vorbei am Stella Point, die Gletscherfelder unter, neben und über uns. Trotz aller Anstrengungen ein Traum. In Sichtweite des berühmten Gipfelschilds – das zweite High. Jetzt wusste ich: Ich schaffe es!

Die Wartezeit auf das obligatorische Gipfelfoto vertrieb ich mir damit, hinter selbiges zu treten (mir schien der Punkt noch ein paar Zentimeter höher ;) ), meinen HSV-Schal und die mitgebrachte Bierdose aus meiner Heimatstadt aus dem Rucksack zu kramen. An die wenigen Minuten am Gipfel erinnere ich mich nur noch in Schlaglichtern. Umarmungen, Glückwünsche, Warten, Posieren. Zu viele Eindrücke für den kurzen Augenblick, den man sich so lange ausgemalt hat. Über den man sich gefragt hat, wie man sich fühlen wird, wie man ihm einen angemessenen Rahmen geben kann. Am Ende geht alles schnell, fast geschäftig, mit weniger Pathos und Hochgefühl als gedacht vonstatten. Ich war froh, oben und von der Höhenkrankheit verschont geblieben zu sein und wieder in angenehmere Höhen absteigen zu können. Was bleibt ist weniger ein berauschendes Erlebis am Ziel, als vielmehr ein ganzer Tag als emotionales und körperliches Gesamterlebnis mit Tiefen, aber vor allem – in jeder Hinsicht – Höhen.

T-Shirt an, Bierdose auf – ein kühles Blondes bei 25 Grad

Der Weg zurück. In den Worten unseres Bergführers: "A piece of a cake." Zumindest vergleichsweise. Auch wenn der Weg zum nächsten Lager noch einmal fast 2.000 Höhenmeter und einige Stunden Fußmarsch bedeutet und wir seit 14 Stunden auf den Beinen sind. Das befreiende Gefühl des Erfolgs, die Gewissheit, dass alle Befürchtungen überflüssig waren und viele weitere, unbeschreibliche An- und Ausblicke lassen uns jede Erschöpfung vergessen. Mit der Sonne sind auch die Temperaturen gestiegen und eine Schicht nach der anderen gefallen: Softshelljacke aus, Fleecejacke an, Wollmütze ab, leichten Schlauchschal um den Kopf, dicke Handschuhe in den Rucksack, dünne Funktionsgloves an. Alle Textilien haben Ihren Dienst uneingeschränkt erfüllt! Softshell- und Regenhose gehen aus Dankbarkeit an unsere Begleiter und sorgen dafür, dass Textil-Großhandel noch das ein oder andere Mal am höchsten Punkt Afrikas vertreten sein wird und beweisen gleichzeitig, dass leistungsstarke Funktionskleidung nicht teuer sein muss.

Nachdem der letzte Tag noch bei circa Minus 7 Grad in tiefschwarzer Nacht begonnen hatte, führte uns der letzte Tagesmarsch quer durch das immer grüner und üppiger werdende Moorland in den tropischen Bergregenwald (der sich allerdings wieder äußerst sonnig zeigte) zum Ausgang des Nationalparks am Marangu Gate. Hier waren der perfekte Ort und Zeitpunkt, die mitgeführten – noch immer kühlen – Biere zu öffnen und auf das Erlebte anzustoßen. Ein wenig stolz auf das Erreichte, in kurzer Hose und T-Shirt, statt Softshelljacke und warmer Hose. Und durch das gesparte Geld, mit ausreichend finanziellen Mitteln, um in den verbleibenden Tagen in Daressalam noch ein paar Bier mehr – passenderweise der Marke „Kilimanjaro“ – zu genießen.

Prost und mpaka wakati mwingine, Henrik!

Geschafft! Das erste Bier nach sieben intensiven Tagen.